PART 1: Was die Franchise wirklich bedeutet – und warum die falsche Wahl jedes Jahr Geld kostet
Die Wahl der Franchise ist eine der wichtigsten Entscheidungen in der Schweizer Krankenversicherung – und gleichzeitig eine der am häufigsten falsch verstandenen.
Viele Versicherte wählen ihre Franchise:
- aus Angst
- aus Gewohnheit
- oder ohne zu rechnen
Das Ergebnis: unnötig hohe Prämien oder vermeidbare Eigenkosten – Jahr für Jahr.
In Artikel #7 erklären wir die Franchise systematisch, rechnerisch und ohne Mythen.
PART 1 legt die Basis: Was ist die Franchise, wie funktioniert sie – und warum sie über Jahre hinweg mehr kostet als man denkt.
1. Was ist die Franchise in der Schweizer Krankenversicherung?
Die Franchise ist der Betrag, den Sie pro Jahr selbst bezahlen, bevor Ihre Krankenkasse beginnt, Kosten zu übernehmen.
Erst wenn die Franchise ausgeschöpft ist:
- beteiligt sich die Krankenkasse
- zusätzlich fällt der Selbstbehalt (10 %) an
Franchise = Ihr jährliches Kostenrisiko.
2. Die offiziellen Franchise-Stufen in der Schweiz
Für Erwachsene stehen folgende Franchisen zur Verfügung:
- 300 CHF (Minimum)
- 500 CHF
- 1’000 CHF
- 1’500 CHF
- 2’000 CHF
- 2’500 CHF (Maximum)
3. Der häufigste Denkfehler: „Tiefe Franchise ist sicherer“
Viele denken:
„Mit 300 CHF Franchise bin ich auf der sicheren Seite.“
Warum?
- Tiefe Franchise = hohe Prämie
- Hohe Franchise = tiefe Prämie
4. Franchise vs. Prämie – das Grundprinzip
Die Krankenkasse rechnet so:
- Sie zahlen mehr Prämie, wenn sie mehr Risiko übernimmt
- Sie zahlen weniger Prämie, wenn Sie mehr Risiko tragen
5. Die zwei Kostenarten, die Sie kennen müssen
Um die richtige Franchise zu wählen, müssen Sie zwei Dinge verstehen:
5.1 Fixe Kosten
- monatliche Prämien
- unabhängig davon, ob Sie krank sind oder nicht
5.2 Variable Kosten
- Franchise
- Selbstbehalt (10 %, max. 700 CHF/Jahr)
6. Selbstbehalt – oft vergessen, aber wichtig
Nach Ausschöpfung der Franchise zahlen Sie:
- 10 % Selbstbehalt
- maximal 700 CHF pro Jahr
- Franchise + 700 CHF
Beispiel:
- Franchise 2’500 CHF
- Max. Eigenkosten = 3’200 CHF
7. Warum die Wahl der Franchise keine einmalige Entscheidung ist
Viele wählen eine Franchise – und ändern sie jahrelang nicht.
Denn:
- Gesundheit ändert sich
- Einkommen ändert sich
- Prämien ändern sich
8. Der Mythos: „Hohe Franchise ist nur für Reiche“
Entscheidend ist nicht Reichtum, sondern:
- Liquidität
- Risikobereitschaft
- Gesundheitszustand
9. Der psychologische Faktor – Angst kostet Geld
Viele Versicherte:
- überschätzen ihr Krankheitsrisiko
- unterschätzen die Prämienersparnis
- handeln aus Angst vor dem „Worst Case“
10. Für wen ist die tiefe Franchise (300 CHF) sinnvoll?
Die 300er-Franchise ist sinnvoll für:
- Personen mit hohen und regelmässigen Gesundheitskosten
- chronisch Kranke
- Personen mit sehr geringer Risikotoleranz
11. Für wen ist die hohe Franchise (2’500 CHF) sinnvoll?
Die 2’500er-Franchise ist sinnvoll für:
- gesunde Erwachsene
- seltene Arztbesuche
- Personen mit finanziellen Rücklagen
12. Der grösste Fehler bei der Franchise-Wahl
13. Zwischenfazit (PART 1)
In PART 2 rechnen wir konkret:
- 300 vs. 2’500 CHF – reale Kostenvergleiche
- Break-even-Punkte
- Wann welche Franchise objektiv günstiger ist
PART 2: Kostenvergleich 300 vs. 2’500 CHF – wann welche Franchise wirklich günstiger ist
In PART 1 haben wir geklärt, wie die Franchise funktioniert.
Jetzt geht es um das Entscheidende: die Rechnung.
Denn erst mit Zahlen wird klar, welche Franchise Sie tatsächlich Geld kostet – und welche Geld spart.
14. Die richtige Denkweise: Jahreskosten statt Einzelposten
Viele vergleichen:
Richtig ist:
15. Beispielhafte Prämienunterschiede (realistisch)
Die Prämienersparnis zwischen 300er- und 2’500er-Franchise liegt je nach Kanton und Modell oft bei:
- ca. 1’200–1’800 CHF pro Jahr
16. Szenario 1: Sie haben kaum Arztkosten (0–300 CHF/Jahr)
300 CHF Franchise:
- hohe Prämie
- kaum Eigenkosten
2’500 CHF Franchise:
- tiefe Prämie
- kaum Eigenkosten
17. Szenario 2: Moderate Arztkosten (500–1’000 CHF/Jahr)
300 CHF Franchise:
- Franchise ausgeschöpft
- Selbstbehalt fällt an
- hohe Prämien
2’500 CHF Franchise:
- Kosten selbst getragen
- massive Prämienersparnis
18. Szenario 3: Hohe Arztkosten (2’000–3’000 CHF/Jahr)
Hier wird es interessant.
300 CHF Franchise:
- Franchise + Selbstbehalt
- hohe Prämien
2’500 CHF Franchise:
- Franchise fast oder ganz ausgeschöpft
- tiefe Prämien
19. Szenario 4: Sehr hohe Kosten (über 3’200 CHF/Jahr)
Ab diesem Punkt:
- ist die maximale Eigenbelastung erreicht
- Unterschiede kommen fast nur noch aus der Prämie
20. Der Break-even-Punkt (entscheidend!)
Der Break-even-Punkt ist der Kostenbetrag, ab dem:
- tiefe Franchise günstiger wird als hohe
Faustregel:
21. Warum viele trotz Rechnung falsch entscheiden
Häufige Gründe:
- Angst vor Einmalzahlung
- schlechte Liquiditätsplanung
- falsche Annahmen über Krankheit
22. Franchise & Liquidität – der unterschätzte Faktor
Eine hohe Franchise erfordert:
- finanzielle Rücklagen
- Bereitschaft, Rechnungen vorzufinanzieren
23. Die 2’500er-Franchise ist kein Risiko – wenn man vorbereitet ist
Mit:
- Rücklagen
- realistischer Einschätzung
- Disziplin
ist die hohe Franchise planbar und kontrollierbar.
24. Typische Fehlrechnungen bei der Franchise-Wahl
25. Zwischenfazit (PART 2)
In PART 3 geht es weiter mit:
- Franchise-Wahl für Familien & Kinder
- Franchise bei Expats & Grenzgängern
- Typische Sonderfälle
- Wann man bewusst eine „unoptimale“ Franchise wählt
PART 3: Franchise für Familien, Kinder, Expats & Sonderfälle – hier passieren die teuersten Fehler
Nachdem wir in PART 1 die Grundlagen und in PART 2 die Zahlen geklärt haben, geht es jetzt um die Praxis.
Denn die optimale Franchise hängt nicht nur von Mathematik, sondern auch von Lebenssituation, Verantwortung und Planbarkeit ab.
26. Franchise für Familien – warum Einheitslösungen fast immer falsch sind
Ein klassischer Familienfehler:
„Wir nehmen für alle dieselbe Franchise.“
Warum?
- Erwachsene ≠ Kinder
- Gesundheitsrisiken unterscheiden sich
- Kostenstruktur ist unterschiedlich
27. Franchise für Kinder – klare Empfehlung
27.1 Die Besonderheit bei Kindern
- sehr tiefe Prämien
- häufigere Arztbesuche (Kontrollen, Infekte)
- planbare Gesundheitskosten
27.2 Empfohlene Franchise für Kinder
Warum?
- kaum Prämienersparnis bei hoher Franchise
- dafür höheres Risiko bei regelmässigen Kosten
28. Franchise-Kombinationen für Familien (bewährt)
Beispiele für eine vierköpfige Familie:
- Eltern: 2’500 CHF
- Kinder: 0 CHF
oder:
- Eltern: 1’500–2’500 CHF
- Kinder: 0–500 CHF
29. Franchise für Expats – typische Fehlentscheidungen
Viele Expats wählen:
Das Ergebnis:
- unnötig hohe Prämien
- kaum genutzte Sicherheit
29.1 Bessere Strategie für Expats
- erstes Jahr: realistisch einschätzen
- bei guter Gesundheit: hohe Franchise
- Rücklagen bewusst einplanen
30. Franchise für Grenzgänger – langfristig denken
Grenzgänger:
- haben oft Wahlrechte
- treffen Entscheidungen mit Langzeitwirkung
Empfehlung:
- Kosten über mehrere Jahre betrachten
- nicht nur aktuelles Jahr optimieren
31. Franchise für Selbstständige – Liquidität schlägt alles
Für Selbstständige ist nicht die Höhe der Franchise das Hauptproblem, sondern:
- Cashflow
- Vorfinanzierung von Rechnungen
Empfehlung:
- nur hohe Franchise wählen, wenn Rücklagen vorhanden sind
- sonst mittlere Franchise als Kompromiss
32. Franchise bei chronischen Krankheiten – Ausnahmefall
Bei bekannten, regelmässigen Kosten gilt:
- tiefe Franchise oft sinnvoll
- hohe Franchise fast nie optimal
33. Schwangerschaft & Franchise – häufig unterschätzt
Wichtig:
- Schwangerschaftskosten sind weitgehend franchisebefreit
- viele Zusatzkosten dennoch möglich
Empfehlung:
- Franchise nicht nur wegen Schwangerschaft senken
- Gesamtbild betrachten
34. Alter & Franchise – wann neu bewerten?
Spätestens bei:
- neuem Lebensabschnitt
- steigendem Arztbedarf
- veränderter finanzieller Situation
35. Die 8 häufigsten Franchise-Fehler (Praxis)
- Gleiche Franchise für alle
- Kinder wie Erwachsene behandeln
- Angst statt Rechnung
- Rücklagen ignorieren
- Franchise jahrelang nicht ändern
- Sonderfälle falsch einschätzen
- Nur Worst-Case denken
- Prämienersparnis vergessen
36. Entscheidungshilfe: Welche Franchise passt zu wem?
300 CHF
- chronisch krank
- sehr geringe Risikotoleranz
- keine Rücklagen
1’000–1’500 CHF
- gemischtes Risiko
- begrenzte Rücklagen
- Sicherheitsbedürfnis
2’500 CHF
- gesund
- stabile Finanzen
- rationaler Kostenfokus
37. Zwischenfazit (PART 3)
In PART 4 folgt:
- Franchise wechseln (Fristen & Regeln)
- Kombination Franchise + Versicherungsmodell
- Langfristige Optimierungsstrategie
- Vorbereitung auf das Finale
PART 4: Franchise wechseln, mit Versicherungsmodellen kombinieren & langfristig optimieren
Viele Versicherte glauben, die Franchise sei eine starre Entscheidung.
Das ist falsch. In Wirklichkeit ist sie ein jährlich steuerbares Instrument, mit dem sich über Jahre hinweg tausende Franken sparen lassen – wenn man die Regeln kennt.
38. Kann man die Franchise jedes Jahr wechseln?
Die Franchise kann einmal pro Jahr angepasst werden.
Wichtige Regel:
- Änderung gilt ab 1. Januar
- Antrag muss bis 30. November erfolgen
39. Typische Fehler beim Franchise-Wechsel
40. Franchise senken – wann sinnvoll?
Eine Senkung der Franchise ist sinnvoll, wenn:
- regelmässige Arztkosten absehbar sind
- eine chronische Erkrankung bekannt ist
- die Liquidität angespannt ist
41. Franchise erhöhen – wann besonders sinnvoll?
Eine Erhöhung lohnt sich, wenn:
- Sie gesund sind
- die letzten Jahre kaum Arztkosten hatten
- Sie Rücklagen aufgebaut haben
42. Franchise & Versicherungsmodell – die unterschätzte Kombination
Die Franchise wirkt nicht isoliert.
Erst in Kombination mit dem Versicherungsmodell entfaltet sie ihr volles Sparpotenzial.
42.1 Hohe Franchise + Telmed-Modell
- maximale Prämienersparnis
- ideal für gesunde, digitalaffine Personen
42.2 Hohe Franchise + Hausarztmodell
- gute Balance
- strukturierte Versorgung
- stabile Kosten
42.3 Tiefe Franchise + Standardmodell
- maximaler Komfort
- höchste Prämien
43. Warum viele trotz hoher Franchise nicht sparen
Häufige Gründe:
- falsches Modell
- ungeeignete Krankenkasse
- fehlender jährlicher Vergleich
44. Die optimale Jahresroutine (bewährt)
Schritt 1: Rückblick
- Arztkosten des laufenden Jahres prüfen
- Eigenkosten realistisch einschätzen
Schritt 2: Ausblick
- absehbare Behandlungen
- Lebensveränderungen
Schritt 3: Entscheidung
- Franchise anpassen
- Modell prüfen
- Anbieter vergleichen
45. Franchise & Risiko – rational statt emotional
Wichtig zu verstehen:
- die maximale Eigenbelastung ist gedeckelt
- Worst-Case-Szenarien sind statistisch selten
46. Häufige Mythen zur Franchise (kurz & klar)
47. Die 10 goldenen Regeln zur Franchise-Optimierung
- Franchise jährlich prüfen
- Pro Person entscheiden
- Kinder separat behandeln
- Rücklagen berücksichtigen
- Modell mitdenken
- Fristen einhalten
- Statistik vor Gefühl
- Sonderfälle realistisch bewerten
- Nicht überoptimieren
- Langfristig denken
48. Zwischenfazit (PART 4)
In PART 5 (FINAL) folgt:
- die komplette Entscheidungs-Checkliste
- ein einfaches Entscheidungsdiagramm
- die häufigsten Langzeitfehler
- das klare Fazit: 300 oder 2’500 CHF?
PART 5: Die finale Entscheidungslogik, Checkliste & das klare Fazit
Nach vier Teilen ist alles gesagt, gerechnet und eingeordnet.
Jetzt bleibt nur noch eine Aufgabe: richtig entscheiden – jedes Jahr wieder.
Dieser letzte Teil gibt Ihnen:
- eine klare Entscheidungslogik
- eine Checkliste ohne Interpretationsspielraum
- ein ehrliches Fazit, wann 300 CHF und wann 2’500 CHF objektiv sinnvoll sind
49. Die wichtigste Wahrheit zuerst
Wer versucht, jedes mögliche Risiko abzusichern, zahlt fast immer:
- zu hohe Prämien
- über viele Jahre
- ohne realen Gegenwert
50. Die finale Entscheidungsfrage (ein Satz)
Beantworten Sie ehrlich nur diese eine Frage:
Kann ich im Notfall einmalig bis zu 3’200 CHF bezahlen, ohne in finanzielle Probleme zu geraten?
- Ja → hohe Franchise ist fast immer sinnvoll
- Nein → tiefere Franchise ist gerechtfertigt
51. Die Entscheidungs-Checkliste (kopieren & anwenden)
Gesundheit
Finanzen
Vergangenheit
System
52. Klare Empfehlung nach Personentyp
300 CHF Franchise
- bekannte, regelmässige Gesundheitskosten
- chronische Erkrankung
- sehr geringe Risikotoleranz
- keine finanziellen Rücklagen
1’000–1’500 CHF Franchise
- gemischtes Risiko
- begrenzte Rücklagen
- Sicherheitsbedürfnis
- Übergangslösung
2’500 CHF Franchise
- gesund
- seltene Arztbesuche
- stabile finanzielle Situation
- rationaler Kostenfokus
53. Die 10 häufigsten Langzeitfehler bei der Franchise
- Franchise nie überprüfen
- Angst vor Worst-Case
- Prämienersparnis ignorieren
- Kinder wie Erwachsene behandeln
- Rücklagen nicht einplanen
- Modell nicht optimieren
- Gewohnheit über Rechnung stellen
- Sonderfälle überbewerten
- Statistik ignorieren
- Entscheidungen aufschieben
54. Die optimale Jahresroutine (30 Minuten, grosser Effekt)
Einmal pro Jahr:
- Arztkosten prüfen
- Rücklagen checken
- Franchise neu bewerten
- Modell vergleichen
- Entscheidung bis 30. November treffen
55. Der psychologische Abschluss: Sicherheit vs. Kontrolle
Tiefe Franchise fühlt sich sicher an.
Hohe Franchise ist kontrollierbar.
56. Das klare Fazit: 300 oder 2’500 CHF?
- 300 CHF ist richtig, wenn hohe Kosten sicher sind
- 2’500 CHF ist richtig, wenn hohe Kosten nur möglich sind
Für die Mehrheit der gesunden Erwachsenen gilt:
Nicht jedes Jahr.
Nicht in jedem Einzelfall.
Aber über Zeiträume von 5–10 Jahren fast immer.
57. Abschliessende Empfehlung
Treffen Sie die Franchise-Entscheidung:
- jährlich
- rechnerisch
- ohne Angst
- ohne Gewohnheit